Artikel aus der Mainpost: Strom speichern wird immer wichtiger

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Die Unterfränkische Überlandzentrale will an einem Pilot-Projekt im eigenen Haus testen, wie gespeicherter Strom effizient anzuwenden ist.

 

Im Versorgungsgebiet der Unterfränkischen Überlandzentrale (ÜZ) gab es 2017 bereits 207 Tage, an denen mehr regenerativer Strom erzeugt als beim Gesamtbedarf aller Kunden gebraucht wurde. Natürlich liegt da die Idee nahe, überschüssige Strommengen tagsüber aufzunehmen, zu speichern und nachts anzuwenden.

Im Kleinen, sprich an der Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach in Lülsfeld und ihrer E-Mobil-Flotte für die ÜZ- Mitarbeiter, will der Versorger ausprobieren, wie Speicher sinnvoll in das Energiesystem integrierbar sind. Im Einzelnen geht es darum, die Potenziale der Netzoptimierung, der Verlagerung hoher Einspeisung in Zeiten niedriger Einspeisung und der Ausnutzung stark schwankender Börsenpreise für elektrische Energie für eine sichere und wirtschaftliche Energieversorgung zu erproben. Dazu setzt die ÜZ einen Stromspeicher der Würzburger Firma Beck Automation ein.

Alle Komponenten bereits auf dem Markt

Die Firma stellt multifunktionale Stromspeichersysteme her aus lauter Komponenten, die vor allen Dingen für Anwendungen in der Industrie bereits auf dem Markt vorhanden sind und für kommende Jahre auch sicher verfügbar sein werden. Gemeinsam mit dem Autobauer BMW hat Beck Automation in einer Entwicklungskooperation das stationäre Batteriespeichersystem Beck Bess entwickelt.

Grundkomponente dafür ist die Batterie des BMW i3. Diese wird über eine marktübliche, speicherprogrammierbare industrielle Steuerung im Energiesystem eingesetzt. Dazu wird der Strom mit einer Leistungselektronik mit Gleichrichtern und Wechselrichtern ein- beziehungsweise ausgespeist. Kennwerte können direkt an der Steuerung oder über eine Fernanbindung bedarfsgerecht eingegeben werden. Eine einzelne Batterie hat eine Kapazität von 33 Kilowattstunden und liefert bis zu 18 Kilowatt elektrische Leistung. Durch das Hintereinanderschalten weiterer Batterien kann das Speichersystem beliebig erweitert werden (Kaskadierung), so dass zahlreiche individuelle Auslegungen möglich sind.

Sonnenstrom für E-Flotte testen

Mit dem Speichersystem will die ÜZ das netzoptimierte Management des Sonnenstroms für ihre E-Flotte sondieren. Neben einer Schnellladestation mit 150 Kilowatt sind sechs Wallboxen mit 22 Kilowatt für E-Fahrzeuge an das System angeschlossen. Geschäftsführender Vorstand Gerd Bock: „Wir wollen ausprobieren, wie sich das im Netz verhält und optimieren lässt.“

Peter Wolf von der B-Plan GmbH innerhalb der Beck-Elektrotechnik berichtet von einem Beispiel in der Würzburger Zellerau, wo in der Küche und für die Kühlleistung viel Strom gebraucht wird. Um den auf die konventionelle Schiene zu besorgen, müsste ein neues Kabel in der Straße verlegt werden. „Wir lassen das Kabel, bauen eine Photovoltaikanlage und einen Speicher.“ Das sei zwar in der Herstellung etwas teurer als das Kabel, aber durch die lange Lebensdauer dieses Speichersystems werden sich die Mehrkosten schnell amortisieren, ist sich Wolf sicher. Diese lange Lebensdauer verspricht BMW mit einer Kapazitätsgarantie von zehn Jahren auf die i3-Batterie.

Die Autonomie des Verbrauchers

Robert Ruppenstein, der sich seitens der ÜZ um das Pilotprojekt kümmert, nennt die Zahl von 320 Kunden, die innerhalb des ÜZ Netzgebietes bereits in unterschiedlichste Speichertechnik – mehrheitlich für ihren Sonnenstrom – investiert haben. „Hier geht es um Autonomie, auch wenn die Wirtschaftlichkeit oft noch nicht darstellbar ist“, erklärt der Mann, der bei der ÜZ Bereichsleiter Markt, Vertrieb und Geschäftskunden ist.

Sollte sich beim Pilotprojekt herausstellen, dass diese Art von Stromspeicherung „für das Gesamtsystem netzdienlich ist“, wie Gerd Bock sagt, sollte es dafür auch eine staatliche Förderung geben. „Einzelne Speicher in ein sinnvolles Konzept zu bringen, darum geht es“, sagt der ÜZ-Chef. Speichern gehöre wie Stromerzeugung, Netz und Stromvertrieb auch zu den Aufgaben eines Versorgers, auch wenn die Gesetze und Verordnungen und damit Steuern und Abgaben darauf noch nicht

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Strom speichern wird immer wichtiger | Nachrichten für Franken, Bayern und die Welt - mainpost.de 10.07.18, 08(18

vorbereitet seien, ergänzt Ruppenstein.

Nur kurzfristiges Speichern ist möglich

Eines macht Bernd Baumgartner von der Beck Automation GmbH aber klar: Sommerstrom werde man elektrisch nach wie vor nicht bis in den nächsten Winter speichern können. Dazu wären viel größere und damit aktuell viel zu teure Einheiten erforderlich. Was momentan möglich sei, sei eine kurzfristige Speicherung innerhalb eines Tages oder von heute auf morgen. Nutznießer könnte zum Beispiel ein Milchviehhalter mit einer Photovoltaikanlage auf dem Stalldach sein, der Stromspitzen für Kühlung abends und frühmorgens reduzieren kann. Für eine Langzeitspeicherung sind seitens der ÜZ derzeit nur die Silos der Biogasanlagen geeignet. Diese ermöglichen, die Energie aus der Maisernte im Sommer im Winter bedarfsgerecht zu verstromen.

Warum sind nun aber ausgerechnet Beck und die ÜZ zusammengekommen? „Weil bei der ÜZ Techniker und nicht Kaufleute federführend sind“, glaubt Peter Wolf. Rein aus technischer Sicht könnte die Welt bei einer effizienten Energienutzung schon viel weiter sein, doch aus kaufmännischer Sicht kommen viele gute Ideen nicht in die Umsetzung.

Bock fordert Förderung für Speicher

Dass ein Versorger in Zukunft nicht nur auf den Absatz schauen darf, darin sind sich Gerd Bock und Robert Ruppenstein einig. Bock „Wir müssen ein Geschäftsmodell gründen, wo vorhandener regenerativer Strom auch in der Region genutzt wird und dazu können Speicher einen wichtigen Beitrag leisten.“ Deswegen kritisiert es Bock, dass es für Kosten für einen netzdienlichen Speicher noch keine öffentliche Förderung gibt.

Und Ruppenstein: Im Versorgungsgebiet der ÜZ werden bereits 454 Millionen Kilowattstunden Strom aus regenerativen Energien erzeugt. Das ist mehr als die ÜZ-Kunden benötigen und immerhin etwa 4,5 Prozent der Menge, die das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld jährlich durchschnittlich produziert hat. Weil die ÜZ nicht mehr von einem oder nur wenigen festen Erzeugern Strom bezieht, werde es zunehmend die Aufgabe eines Versorgers sein, zwischen Kunden und der großen Zahl an Erzeugern zu vermitteln. „Deshalb werden wir in Zukunft nicht jeder nicht verkauften Kilowattstunde nachweinen.“

Was kommt nach Solarstrom-Vergütung?

Noch eins kommt hinzu: Ab dem Jahr 2021 endet für die ersten Solarstrom-Anlagen der EEG-Vergütungszeitraum, der 20 Jahre plus Inbetriebnahmejahr beträgt. Bei einer Vielzahl an Anlagen läuft die Vergütungszeit in den Jahren 2024/25 aus. Doch mit der Frage, wie es danach weitergehen soll, haben sich bislang nur wenige Betreiber beschäftigt. Eine Möglichkeit, den Betrieb einer Anlage auch mit weniger Vergütung wirtschaftlich weiterlaufen zu lassen, wäre, den Eigenverbrauch durch die Nachrüstung mit einem Batteriesystem für die Speicherung von Strom zu steigern oder ein planbares Produkt für die Vermarktung zu generieren. „Wenn wir uns da nichts einfallen lassen, kann es sein, dass schon bald so manche Photovoltaikanlage abgeschaltet wird. So kann Energiewende nicht gedacht sein“, fasst Gerd Bock die aktuelle Herausforderung zusammen.

 

Bildunterschrift:

Die Unterfränkische Überlandzentrale probiert in Zusammenarbeit mit Beck Automation aus Würzburg effiziente Wege der Stromspeicherung am Beispiel der hauseigenen E-Flotte aus . Bei der Vorstellung des Projekts (von links) Bernd Baumgartner (Firma Beck), Robert Ruppenstein, Gerd Bock (beide ÜZ), Christine Beck-Meidt und Peter Wolf (beide Firma Beck).

 

Quelle: Mainpost online, Region SW

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07-2018